Marianne Schminder

Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg erinnert durch die Einrichtung der Gastprofessur an Prof. Dr. Marianne Schminder, die erste promovierte Frau und erste Professorin in den Ingenieurwissenschaften an der Hochschule für Schwermaschinenbau Magdeburg.

Die 1923 im schlesischen Liegnitz geborene Marianne Schminder nahm nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges aufbauend auf einem Studium der Chemie, Physik und Mathematik eine Tätigkeit als Neulehrerin in Sachsen auf. 1955 bewarb sie sich erfolgreich um eine Assistenzstelle an der Hochschule für Schwermaschinenbau, wo ihr nach und nach der Aufstieg gelang.

1958 übernahm sie noch ohne Promotion die Leitung der Arbeitsgruppe Elektronenmikroskopie und Einschlussfolierung und wurde im gleichen Jahr Oberassistentin. 1961 promovierte sie als 'erster Doktorand' am Institut für Werkstoffkunde und Werkstoffprüfung zum Thema "Entwicklung einer Apparatur zur elektrolytischen Isolierung von Karbiden". 1967 legte sie ihre Habilitation in Werkstoffkunde vor, nachdem sie bereits mehrere Jahre eine Dozentur wahrgenommen hatte. Nur zwei Jahre später folgte die Berufung als Professorin für "Nichtmetallische Werkstoffe und deren Prüfung". Als Seiteneinsteigerin in einem von Männern dominierten Fachgebiet erwarb sie mehrere Patente.

Neben ihren wissenschafltichen Leistungen und technischen Errungenschaften mobilisierte sie mit Eintritt in die Hochschule in kurzer Zeit die brach liegende Arbeit des Frauenausschusses und organisierte den Kontakt mit der Industrie sowie anderen Hoch- und Fachschulen zum Erfahrungsaustausch. Sie setzte sich erfolgreich "in mühseliger Arbeit mit den Behörden und der Hochschulleitung" für die Einrichtung eines Hochschulkindergartens ein, um Freiräume für die Qualifizierung und Weiterbildung von Frauen und Mädchen zu schaffen. Marianne Schminder erreichte, dass an der Hochschule halbjährlich eine Rechenschaftslegung über die Erfüllung des Frauenförderplanes erfolgte und setzte sich aktiv für eine Steigerung der promovierenden Assistentinnen der Hochschule ein.

Als Professorin im Maschinenbau und Förderin des weiblichen Nachwuchses in Wissenschaft und Industrie ist sie Vorbild für die heutige, eng mit wissenschaftlicher Expertise verknüpfte, Gleichstellungsarbeit. Die Marianne-Schminder-Gastprofessur mit Teildenomination Geschlechterforschung soll demgemäß geschlechtersensible Perspektiven auf Prozesse in Lehre, Forschung und Transfer an der OVGU, insbesondere auch in den MINT-Fächern, ermöglichen.

Letzte Änderung: 12.11.2019 - Ansprechpartner: Webmaster